Demokratiekultur

28.08.2004

Utopie oder Illussion

Andreas Gross zeigt den Unterschied auf in seinen 16 Thesen, von denen hier nur die ersten drei betrachtet werden:

1. Eine Utopie sei das gleiche wie eine Illusion. Es reicht auch nicht, wie viele hierzulande glauben, sich gegen Utopien auszusprechen, um Realist sein zu können (MF). Ganz im Gegenteil: Eine Utopie ist das, was möglich wäre, aber noch nicht ist und auf unser Handeln wartet, damit es wird. Ein Realist muss auch das sehen, was unter der Oberfläche der Wirklichkeit als Möglichkeit schlummert und morgen, vor allem dann, wenn wir was tun dafür, Realität werden kann.
2. Wenn wir auf den ersten Menschen zurückgreifen wollen, der ein Buch schrieb über Utopia (Thomas Morus, 1516), in dem er von einer Insel jenseits der Welt schrieb, von der ihm ein heimgekehrter Seefahrer berichtet hat, der auf ihr gewesen und sie besucht haben soll, dann erkennen wir erstens das erkenntnistheoretische Paradox, das in diesem Konzept steckt, und zweitens beschrieb er eine bessere Welt, eine für die meisten Menschen bessere und anzustrebende Alternative zur gegenwärtigen, realen Existenz. Utopien sollten sich also daran messen lassen, ob sie für alle Menschen etwas besseres in sich bergen.

3. Eine politische Utopie zeichnet sich in diesem Sinn vor allem durch vier Elemente aus: Erstens äussert sie eine Kritik am Status Quo, zweitens entwickelt sie eine konkrete Alternative zu ihm, drittens sucht sie nach dem anderen Möglichen im jetzt und viertens bringt sie den Willen zum Ausdruck, sich auch für das bessere mögliche Andere zu engagieren, dafür politisch etwas zu tun.

UTOPIA