Demokratiekultur

18.02.2007

Sieben Typen, zwei Fragen und eine Antwort

Wenn wir etwas ändern wollen, müssen wir die aktuellen Rezepte oder Regeln über Bord werfen und sagen: "Ich gehe jetzt einmal mit einem völlig neuen Ansatz an die Sache heran!" Und dafür brauchen wir bald – dringender denn je - voll motivierte Menschen, die dabei mitmachen. Veränderungen - auch jene zum Guten - stoßen auf Widerstand. Der härteste Klebstoff der Welt ist offensichtlich die Gewohnheit. Wenn jemand ein konventionelles Team zu einer lernenden Organisation machen will, dann wird er auf sieben mögliche Gruppen treffen:

Die erste Gruppe sind die Emigranten. Das sind solche, die sofort abhauen oder kündigen. Sie sagen: "Das wollen wir nicht, das ist nicht unsere Welt!"

Die zweite Gruppe sind die Missionare. Das sind diejenigen, die sagen: "Das schaffen wir gemeinsam! Wir sind überzeugt von der Richtigkeit einer Veränderung!"

Als dritte Gruppe gibt es die Gläubigen. Die Missionare müssen möglichst schnell möglichst viele Mitarbeiter zu Gläubigen machen. Sie müssen ‘rüberbringen, dass es eine tolle Sache ist, wenn wir diesen Weg gehen. Ein Mitarbeiter, der gläubig im Sinne einer Sache ist, setzt seine ganze Arbeitskraft - und in unserem Unternehmen auch Teile seiner Freizeit im Sinne einer solchen Neuerung ein.

Die vierte Gruppe sind die sogenannten Lippenbekenner. Sie finden die Veränderung wunderbar und erzählen das auch dem Chef dreimal täglich, aber es folgen keine Taten.

Die fünfte ist die größte Gruppe (ungefähr zwei Drittel). Das sind die Gleichgültigen. Sie sagen: "Ja, ja, unseren Alten und seine Ideen kennen wir ja schon lange, jetzt schauen wir uns das mal in Ruhe an!" Diese Einstellung ist absolut legitim. Hier müssen die Missionare ran und Überzeugungsarbeit leisten.

Die sechste ist die gefährlichste Gruppe. Das sind die Guerilleros, die versteckten Widerstandskämpfer. Sie haben einen zweifelhaften Charakter und ich wünsche niemandem, dass er solch eine Person im Team hat. Sie sind äußerst schwer zu erkennen und deshalb auch so gefährlich, denn sie betreiben Wühlarbeit im Untergrund und zwar gegen das Projekt.

Angehörige der siebten und letzten Gruppe haben hingegen einen sehr guten Charakter, denn sie stellen sich einer Veränderung in offenem Widerstand entgegen. Hier muss man sich mit Argumenten auseinandersetzen. Und dann setzt sich eben die beste Meinung durch.

Es ist also kein leichter Weg, die Gesellschaft zu verändern. Die Phrase "Ja, aber...!" werden Sie dabei viel häufiger hören als "Warum nicht...?" Es gibt – vereinfacht ausgedrückt - nur zwei Sorten von Menschen: den "Ja-aber-Typ" und den "Warum-nicht-Typ". Die erste Gruppe ist weit verbreitet und hat sich auf Ausreden spezialisiert: "Das geht doch nicht, in unserer Branche... Bedenken Sie doch die Tradition... Die Vergangenheit hat gezeigt... Das war schon immer so..." etc.

Deshalb müssen sich die Menschen – wie bei einem Reiseziel – nur noch darüber klar werden, ob sie die Reise antreten oder nicht, d.h. jetzige Regeln beibehalten oder verändern. Es kann nur eine Antwort geben.