Finanzen+Steuern

17.02.2004

Geldschöpfung und ihre Fehlentwicklungen

Wenn Sie nicht schon einschlägig vorbelastet sind, lesen Sie zum Einstieg in das Geldsystem zunächst die Kurzfassungen Geschichte des Geldes und Geldfunktionen. Erst dann sind Sie so weit, die Fehlentwicklungen bei der Geldschöpfung zu verstehen:
Geld entsteht im Zusammenspiel zwischen einer Zentralbank, Geschäftsbanken und deren Kreditnehmer durch ein System von Krediten: Die Nichtbanken nehmen Kredite bei den Geschäftsbanken auf und diese wiederum bei der Zentralbank. Ein Kreditbetrag ist bereits Geld, welches zwischen Kunden derselben Bank überweisbar ist Giralgeld.

Damit der Kreditnehmer auch außerhalb der Bank Geschäfte mit dem Geld abwickeln kann, werden von der Zentralbank (Notenbank) Geldscheine gedruckt, welche sich die Geschäftsbanken gegen Verpfändung des Schuldtitels "ausleihen". Als Bank der Banken übernimmt die Zentralbank auch die Verrechnung von Überweisungen zwischen den Geschäftsbanken über Zentralbank-Konten Zentralbankgeld.

Ein Schuldtitel hat einen Wert und ein Ablaufdatum. Die Bank verpfändet diesen Titel der Zentralbank. In etwa gleicher Höhe wie der Schuldtitel wert ist erhält die Bank von der Zentralbank Geld. Meist in Form einer Gutschrift auf einem Zentralbankkonto, seltener in Form von Bargeld. Dieses Geld verleiht die Bank weiter an einen Kreditkunden, der sich verpflichtet sich, das Geld an die Bank zurückzuzahlen.

Um die theoretisch unbegrenzte Geldschöpfung der Banken zu kontrollieren, gibt es eine Mindestreservepflicht, wonach die Geschäftsbanken für jedes Kundenguthaben etwa 2% an Zentralbank-Guthaben halten müssen.

Für dieses Geschäft erhebt die Notenbank eine Nutzungsgebühr oder Zentralbankzinsen von bspw. 5% im Jahr und schlägt nochmal eine Risikoprämie, Bearbeitungsgebühr, Gewinnprämien o.ä. drauf, wie dann eben der Endkunden-Zins von beispielsweise 8% im Jahr entsteht.

Halten wir also fest:
1. Geld-Leihen kostet Zinsen und dergleichen 2. Kreditnehmer sollten bestrebt sein, ihr geliehenes Geld ertragbringend zu nutzen, damit Zins und Rückzahlung erwirtschaftet werden kann.
3. Schulden sind gesamtwirtschaftlich genauso hoch wie die Guthaben, d.h. für jedes Guthaben oder für jeden Geld-Schein muss sich jemand anderes erst verschuldet haben.

In der Praxis wird Geld jedoch einfach nach dem Bedarf gedruckt, den die Zentralbank als volkswirtschaftlich sinnvoll erachtet.

Aus Gründen der Reibungsverluste (Zinsen und Pleiten) muss die Zentralbank in unserem Geldsystem ständig neu Geld schaffen. Geld muss gedeckt sein, und zwar durch Schulden. Was ist aber, wenn sich niemand mehr verschulden will oder kann? Dann kann kein neues Geld mehr geschaffen werden, zumindest keins, was (durch Schulden) gedeckt ist. In diesem Fall fällt die Volkswirtschaft mangels frischem Geld in eine Deflation = Verringerung des Geldumlaufs = Geldwertsteigerung.

Umgekehrt kann der Fall eintreten, dass sich ohne reales Wirtschaftswachstum Leute verschulden, weil sie etwa auf rapide steigende Zinsen spekulieren, so dass sie ihre Belastung mit steigenden Guthabenzinsen ausgleichen können. Dann steigt die Geldnachfrage . Wenn die Zentralbank dieser Spekulation nachgibt und die Geldmenge zu stark erhöht, gerät die Volkswirtschaft in eine Inflation = Steigerung des Geldumlaufs = Geldentwertung.