Wirtschaft

21.02.2004

Sind Wirtschaftspleiten eine Folge von Fehleinschätzungen ?

Sie werden verursacht von den sogenannten Experten oder sollten wir sagen von hoch bezahlten Ausbeutern und Totengräbern. Dabei behilflich sind natürlich diejenigen, die immer verdienen egal wie es ausgeht, die Juristen. Nun ist es ja schon schlimm genug, daß wir uns "Rechsstaat" schimpfen in dem die Juristen die staatliche Genehmigung zum Geldkassieren haben. Doch fehlt den meisten jegliches Gefühl für wirtschaftliche Zusammenhänge, sie kommen aus dem Paragraphen-Denken nicht heraus. Trotzdem besetzen sie in Wirtschaft und Politik führende Positionen.
Ende 2002 titelte der "EFFECTEN-SPIEGEL" den Jahrhunderskandal der Dresdner Bank; dort werden 30 Milliarden Euro faule Kredite in den Sand gesetzt. Das entsprach etwa 12% des Bundeshaushaltes. Natürlich involviert auch die Allianz mit ihren Juristen. Was hier die Bundesaufsicht für das Bankenwesen geleistet hat spottet jeder Beschreibung.

Während des ganzen Jahres 2003 machen auch immer wieder andere Banken von sich Reden, allen voran die Commerzbank. Sie streicht über viertausend Stellen und verdreifacht fast das operative Ergebnis. Sie ist dabei, die rund 70 Filialen der traditionsreichen fränkischen Schmidt-Bank zu erwerben, die durch Kreditausfälle in Schieflage geraten war. Nach Milliardenverlusten war Schmidt-Bank 2001 von einer Auffanggesellschaft der Deutschen Bank und der Commerzbank und der HypoVereinsbank unter Beteiligung der Bayerischen Landesbank gerettet worden. Weiterhin schielt die Coba nach der Sparkasse Stralsund, die einen Zuwachs im Privatkundensektor verspricht. So gibt sich die Braut nach einem Verlustjahr von 2,32 Milliarden Euro jetzt heiratswillig. Ein Freier wird sich schon finden.

In ihrem Buch «Die Globalisierungsfalle. Der Angriff auf Demokratie und Wohlstand» (1996, S. 9 ff.) berichten die Autoren Hans-Peter Martin und Harald Schumann von einem Treffen und einer Diskussion ehemaliger Spitzenpolitiker, aktiver Topmanager und Wissenschafter, das im Fairmont-Hotel in San Francisco im September 1995 auf Einladung von Michail Gorbatschow stattfand: «Die Zukunft verkürzen die Pragmatiker auf ein Zahlenpaar und einen Begriff: 20 zu 80 und TITTITAINMENT*. 20 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung würden im kommenden Jahrhundert ausreichen, um die Weltwirtschaft in Schwung zu halten. 'Mehr Arbeitskraft wird nicht gebraucht', meint Magnat Washington SyCip. Ein Fünftel aller Arbeitssuchenden werde genügen, um alle Waren zu produzieren und die hochwertigen Dienstleistungen zu erbringen, die sich die Weltgesellschaft leisten könne. Diese 20 Prozent werden damit aktiv am Leben, Verdienen und Konsumieren teilnehmen - egal in welchem Land. Soziales Engagement der Unternehmen sei beim globalen Wettbewerbsdruck unzumutbar, um die Arbeitslosen müssten sich andere kümmern. Jedenfalls werden in den Industrieländern schon bald wieder Menschen fast zum Nulltarif die Strassen sauberhalten oder als Haushaltshilfen kärglichen Unterschlupf finden, erwarten die Konzernlenker. Schliesslich sei das Industriezeitalter mit seinem Massenwohlstand nicht mehr als ein «Wimpernzucken in der Geschichte der Ökonomie».

Der Vorstandschef der Siemens AG, Heinrich von Pierer, auf die Frage nach seinem Urteil über die «Reformen» in Deutschland in einem Interview mit dem «Spiegel» vom 13. Oktober 2003: «Ich erwarte, dass der Bundeskanzler seine Agenda 2010 jetzt wirklich umsetzt gegen alle Widerstände in den eigenen Reihen und bei der Opposition. Dieses Programm ist ein erster notwendiger Schritt, nicht mehr und nicht weniger. Ich fand es bemerkenswert, dass die Oppositionsführerin bereit ist, Mitverantwortung zu übernehmen. Sie verdient volle Unterstützung. Aber auch hier gilt: Das bisher Vorgelegte reicht nicht. Ich vermisse Antworten auf die Erfordernisse der Globalisierung. Der weltweite Wettbewerb dreht sich heute um drei Fragen: Wer ist der Beste? Wer ist unter den Besten der Billigste? Und wer ist der Schnellste? Wir brauchen nicht formell, aber de facto eine Art grosse Koalition zwischen den Volksparteien. Wir sind in unserem Land an einem Scheidepunkt angekommen.»

* Tittytainment ist ein zynischer Begriff der Konzernmanager zu einer Zukunftsvorstellung der Globalisierung. Es ist die Vorstellung eines Konsumkapitalismus (an den Titten des Kapitals hängen und dabei unterhalten werden), die für sie eine Entwicklungsvorstellung zum Kapitalismus ist. Angesichts der wissenschaftlich konstatierten Tatsache, dass sich die Automation soweit fortgebildet hat, dass unter gegebene gesellschaftlichen Verhältnissen der Produktion und Warenzirkulation eine Arbeitslosigkeit von vier Fünftel der Weltbevölkerung (bis Mitte des Jahrhundert) ausbreiten wird, suchen sie nach einer Perspektive, Menschen bei Billigjobs und mit hohem Suchtpotential der Konsumgegenstände in Betäubung und bereitwillig und gefügig für alles zu halten. Um das Wertwachstum zu sichern, sind die Agenten des Kapitalismus bereit, eine Weltgesellschaft von Süchtigen zu entwickeln und die private Habgier des Kapitals durch die gesellschaftliche Not der Menschen im Kapitalismus zu legitimieren.

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